Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Hier diskutieren wir Nachrichten, News, Nyheter aus und über Schweden. Alles was neu & interessant ist! Von TT, DagensNyheter, Expressen u.a.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/land-leute/ak ... achrichten
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1272
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon Petergillarsverige » 15. November 2014 20:03

meckpommbi hat geschrieben:[die sklavereiaufhebung ist kein verdienst des christentums _ es hat wohl eher etwas mit wirtschaftlicher entwicklung zu tun

Schon mal was von Wilberforce gehört?
http://de.wikipedia.org/wiki/William_Wilberforce
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

EuraGerhard
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 928
Registriert: 28. Juli 2010 11:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon EuraGerhard » 16. November 2014 15:48

Hallo,

zum Thema Sklaverei:

Nicht nur Gegner, sondern auch viele Befürworter der Sklaverei haben sich auf ihren christlichen Glauben und die Bibel berufen. Selbst der Ku-Klux-Klan, der übrigens bis heute aktiv ist, versteht sich selbst als eine radikal protestantische Organisation und findet seine Anhänger hauptsächlich in fundamentalistisch-evangelistischen Kreisen in den USA.

Zum Thema Abtreibung:

Abtreibung ist in Schweden unter bestimmten Voraussetzungen bereits seit 1938 legal, neu ist das Thema also nicht. Dass dies so ist und dass die Durchführung von Abtreibungen zum Berufsbild einer an einem Krankenhaus angestellten Hebamme gehört, muss eine ausgebildete Hebamme wissen. Wenn eine Hebamme in Schweden keine Abtreibungen durchführen will, dann darf sie sich halt nicht bei einem Krankenhaus um eine Stelle bewerben. Für den Versuch, sich hier ein Sonderrecht herauszuklagen, habe ich daher keinerlei Verständnis.

MfG
Gerhard

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1272
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon Petergillarsverige » 16. November 2014 20:53

Mag sein, dass der Ku-Klux-Klan sich als christlich bezeichnet. Das negiert nicht die Tatsache, dass die Sklaverei durch die Initiative von Christen abgeschafft wurde. Gerade die Hartnäckigkeit von Wilberforce ist ein Vorbild für mich immer wieder und an sehr verschiedenen Stellen auf das Unrecht hinzuweisen, welches unseren ungeborenen Kindern durch die Tötung im Mutterleib widerfährt.

Angenommen ein Arzt oder Hebamme wird Christ, ändert seine Einstellung zur Abtreibung und verweigert die Beteiligung aus Gewissensgründen fortan. Es muss eine Gewissensfreiheit geben. Die EU verlangt das von Schweden und es wird demnächst, so meine Recherchen, demnächst ein Verfahren dazu geben.

"Schweden ohne Gewissensfreiheit ist...."
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

vibackup
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1205
Registriert: 26. Januar 2013 19:02
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon vibackup » 17. November 2014 00:00

Petergillarsverige hat geschrieben:Angenommen ein Arzt oder Hebamme wird Christ, ändert seine Einstellung zur Abtreibung und verweigert die Beteiligung aus Gewissensgründen fortan. Es muss eine Gewissensfreiheit geben.

Interessante Frage; ich stimme dir zu, dass der Arzt oder die Hebamme nicht gegen sein/ihr Gewissen gezwungen werden darf (und ja praktisch auch nicht kann), eine Abtreibung durchzuführen. Aber hat man denn damit ein Recht darauf, dass auch am selben Arbeitsplatz zu tun? Ich finde das eine echte Frage, und meine Antwort wäre: ja, er/sie hat ein Recht auf eine Gewissensentscheidung für ihn/sie selber, aber nicht für das Krankenhaus. Heißt übersetzt: er/sie muss dann eben, wenn es innerhalb des Krankenhauses nicht möglich ist, eine Tätigkeit zu haben, die das nicht einbegreift, eine andere Stelle suchen (was ja bei der derzeitigen Arbeitssituation für sowohl Ärzte als auch Hebammen kein wirkliches Problem darstellt) und gehen.
Mein Gewissen bindet ja erstmal nur mich selber, und nicht die anderen.

//M

EuraGerhard
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 928
Registriert: 28. Juli 2010 11:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon EuraGerhard » 17. November 2014 08:47

Hallo,

wir müssen hier drei verschiedene Szenarios unterscheiden:

1. Jemand arbeitet bereits auf einem bestimmten Arbeitsplatz, und durch eine Änderung der Rechtslage wird er/sie jetzt mit neuen Anforderungen konfrontiert, die ihn/sie in Gewissenskonflikte stürzt. In so einem Fall müssen meiner Meinung nach in Einvernehmen mit dem Arbeitgeber Lösungen gefunden werden, die einen Gewissenskonflikt des Arbeitnehmers ausschließen. Das ist aber nicht der hier diskutierte Fall.

2. Jemand arbeitet bereits auf einem bestimmten Arbeitsplatz, und ändert seine/ihre religiöse Überzeugung, so dass er/sie bisher zu seinem Tätigkeitsprofil gehörende Tätigkeiten nicht mehr mit seinem/ihrem Gewissen vereinbaren kann. Dies ist der von @vibackup beschriebene Fall. Auch in diesem Fall sollte versucht werden, mit dem Arbeitgeber eine einvernehmliche Lösung zu finden. Es kann aber nicht vom Arbeitgeber erwartet werden, hier eine Sonderregelung zu akzeptieren. Insofern muss hier als eine mögliche Lösung auch die Auflösung des Arbeitsvertrages in Betracht kommen. Das ist aber auch nicht der hier diskutierte Fall.

3. Im hier diskutierten Fall war hingegen sowohl die Rechtslage als auch die "Gewissenslage" eindeutig klar, bevor sich die Hebamme beim Krankenhaus überhaupt um eine Stelle beworben hat. Dass ein Arbeitgeber es ablehnt, jemanden einzustellen, der/die von vornherein klarstellt, für bestimmte Tätigkeiten aus dem vorgesehenen Tätigkeitsprofil aus Gewissensgründen nicht zur Verfügung zu stehen, ist nur legitim.

MfG
Gerhard

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1272
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon Petergillarsverige » 17. November 2014 16:47

Danke für die Steilvorlage:
Fall 4: Eine junge Frau möchte den Beruf ihres Lebens erlernen und ausüben. Da sie sehr dem Leben zugewandt ist, möchte sie Hebamme werden. Es gefällt ihr den Müttern beizustehen und den Kindern zu helfen. Abtreibung lehnt sie strikt ab.
Findet sie in Schweden eine Möglichkeit Hebamme zu werden und nie bei einer Abtreibung helfen zu müssen?
Parallel dazu im Fall 4. Er/Sie möchte Arzt werden. Die Standesethik, zurückgehend auf Hippokrates, verbietet Abtreibungen. Ist eine Ausbildung in Schweden möglich ohne abtreiben zu müssen, speziell für Gynäkologen?

In meiner letzten Tätigkeit konnte ich diesen Berufsgruppen Stellen vermitteln in Krankehäusern die staatlicher oder kirchlicher Trägerschaft die keine Abtreibungen durchführten.

Bei dem derzeitigen Ärztemangel könnte ich mir tatsächlich vorstellen, dass Kliniken sich den Leben zuwenden und Abtreibungen aus dem Angebot streichen.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

vinbergssnäcka
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 732
Registriert: 3. September 2012 21:38
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden
Kontaktdaten:

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon vinbergssnäcka » 17. November 2014 18:07

Es gibt ausreichend Stellen für Hebammen in Schweden, wo nie eine Abtreibung durchgeführt wird, nämlich im "primärvård", in jeder Vårdcentral...wenn ich dann also im Krankenhaus in besagter Stellung arbeiten möchte, dann weiss ich auch vorher, was auf mich zukommt.

Kirche und Staat sind in Schweden getrennt. Das heisst aber nicht, das nicht viele Menschen und darunter sicher auch Hebammen der schwedischen Kirche angehören. Das hat aber mit dem Beruf nichts zu tun.

Und gezwungen wird hier sicher niemand, nur kann sich sicher kein landsting leisten, Arbeitnehmer einzustellen und zu beschäftigen, die aufgrund ihrer Religion (darf man eigentlich als Atheist nicht gegen Abtreibung sein? Klingt hier ein wenig so finde ich) ihre Aufgaben nicht erfüllen mögen oder können.
liebe Grüsse

Heike

meine Seite: http://figeholm.jimdo.com

vinbergssnäcka
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 732
Registriert: 3. September 2012 21:38
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden
Kontaktdaten:

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon vinbergssnäcka » 17. November 2014 18:15

Es gibt keinen Arbeitsplatzmangel für Hebammen in Schweden:

http://www.arbetsformedlingen.se/For-ar ... 30c1800078

Zur Zeit gibt es 28 Arbeitsplatzangebote via Arbetsförmedlingen
liebe Grüsse

Heike

meine Seite: http://figeholm.jimdo.com

Benutzeravatar
meckpommbi
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1168
Registriert: 12. September 2008 11:26
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden
Kontaktdaten:

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon meckpommbi » 17. November 2014 19:10

klar heike darf man als atheist auch gegen abtreibungen sein der gruende koennen vielfaeltig sein

fakt ist nur das menschen die dieses recht auf abtreibung bejahen immer wieder wehement angegriffen werden nicht nur verbahl wie ich mich hier ein bisschen erdreistet habe peter anzugreinen die methoden der abtreibungsgegner sind da oft etwas handfester und das gedankengut dazu verbreitet peter ja auch in dem er dies als mord deklariert und mit moerdern darf man ja so umspringen

wie schon geschrieben ich habe nichts gegen christen moslems juden usw aber es ist nicht nur in dieser frage eine gewisse tendenz zur radikalisierung vorhanden und diese moerdvorwurfspropaganda ist eine anfangsdroge
gruss birgit

ich fuerchte nur egal was wir schreiben es hat keinen sinn denn gegnargumente die nicht passen werden endweder ignoriert oder umgemuenst damit es wieder passt

Speedy
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 617
Registriert: 20. März 2009 11:38
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Beitragvon Speedy » 17. November 2014 20:11

Hi ihr alle,

diese Diskussion hatten wir doch gerade erst. Ich denke mal es ist besser fuer uns alle diese einzustellen, wir kommen doch nicht auf einen Nenner.

Also jedem das Seine

Gruss Erika


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Neuigkeiten“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 12 Gäste