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Staatlich umsorgt von Geburt bis zur Rente?

Das Gesundheitssystem in Schweden ist staatlich organisiert, und liegt größtenteils in der Hand der Provinziallandtage. Das heißt, jeder der 21 schwedischen län verwaltet seinen eigenen Gesundheitsbereich.

Jeder Einwohner Schwedens profitiert vom staatlichen Gesundheitswesen; das gilt auch für Ausländer.

Sobald du deine PN (personnummer) hast, bist du auch im staatlichen Gesundheitssystem drin. Egal ob du in das System einzahlst oder nicht.

Es ist nicht notwendig oder möglich, sich eine bestimmte Krankenkasse bzw. Krankenversicherung auszusuchen. Man registriert sich jedoch bei der staatlichen försäkringskassan.

Finanzierung   

Das staatliche schwedische Gesundheitssystem ist grundsätzlich steuerfinanziert. Das heißt, alle Leistungen werden ohne Ansehen der Person aus einem großen Topf bezahlt, egal wieviel oder wie wenig der Einzelne in diesen Topf eingezahlt hat.

Konkret läuft die Finanzierung über eine Einkommenssteuer von durchschnittlich etwa 11% (je nach Prozinz), die von den Provinziallandtagen erhoben wird und die damit jeder arbeitende Einwohner mitträgt. Darüber hinaus gibt es eine Zuzahlung der Patienten bei jedem einzelnen Arztbesuch oder Medikamentenkauf.

Patientengebühren

Pro Krankenhaustag wird eine Patientengebühr von 80 SEK erhoben. Für einen Arztbesuch in einem Gesundheitszentrum (vårdcentral) zahlt man zwischen 100 und 150 SEK Gebühr, den Rest trägt die Krankenversicherung. Ein Besuch beim Facharzt kostet mehr.

Die Patientengebühren sind jedoch pro Jahr gedeckelt: Wer insgesamt 900 SEK an Gebühren gezahlt hat, wird für den Rest der Zwölfmonatsperiode (ab dem ersten Arztbesuch) kostenlos behandelt. Ähnliches gilt für verschriebene Arzneimittel: Hier liegt die Obergrenze der Selbstbeteiligung bei 1.800 SEK pro 12 Monate.

Wartezeiten

Teilnehmer unserer Schweden-Community berichten von (im Vergleich zu Deutschland) deutlich längeren Wartezeiten auf einen Arzttermin, aber auch auf eine Behandlung im Krankenhaus oder Akuten (Notaufnahme). Diese subjektiven Erlebnisse werden untermauert durch offizielle statistische Angaben, wie man sie beispielweise auf http://vantetider.se/ findet.

Patienten in Schweden werden gerne dazu angehalten, sich erst einmal selbst zu behandeln (z.B. mit dem telefonischen Verweis auf ein Medikament, das sie sich aus der Apotheke holen sollen). Erst wenn diese telefonische Beratung und Selbstmedikation nach einigen Tagen nicht zu einer Besserung führt, hat man eine Chance darauf, von einem Arzt untersucht zu werden.

Medizinische Beratung per Telefon

Erste Behandlungstipps kann man sich per Telefon holen: Unter der Nummer 08-320 100 stehen Krankenschwestern und Ärzte für eine Erstberatung zur Verfügung.

Notfall

Die einheitliche Notrufnummer lautet landesweit 112. In einem medizinischen Notfall versucht man, sich zur nächstgelegenen akutmottagning (Notaufnahme) zu begeben, bzw. bringen zu lassen. Auch in der Notaufnahme wird eine Patientengebühr fällig; außerdem sollte man seine PN und den Patientenausweis (patienbricka) bereit halten.

Ausländer / Touristen ohne personnummer legen eine Europäische Krankenversicherungskarte bzw. Formular E111 vor; die Behandlung muß oft sofort bezahlt werden (Kreditkarte!), und wird dann später zuhause mit der deutschen Versicherung abgerechnet.

Zahngesundheit und Zahnärzte

Ausgenommen vom staatlichen Systen ist alles was mit Gesunderhaltung und Behandlung der Zähne zu tun hat. Hier ist Eigenverantwortung und 100% Eigenbeteiligung gefragt, denn wer 20 Jahre oder älter ist, zahlt für die Vorsorge, Untersuchung, Behandlung, Füllungen usw. selber. Unbedingt Kostenvergleiche anstellen.

Links

  • www.vardguiden.se
    Informiert über alle Themen zu Gesundheit und Pflege, für den Bereich Stockholm.
  • www.fhi.se
    Schwedisches Institut für Volksgesundheit

 

Siehe auch:

Aktualisiert am Montag, 31. Mai 2010 um 12:52
 

Gesundheitssystem in Schweden: Tipps und Diskussionen

  • Mangelhafte Gesundheitsberatung
    In Schweden wächst die Unzufriedenheit mit der telefonischen Gesundheitsberatung. Wie die Sozialbehörde dem Schwedischen Rundfunk mitteilt, ist die Zahl der Anzeigen in den letzten beiden Jahren dramatisch gestiegen. Gab es in 2009 lediglich 10 Anzeigen, so waren es im Vorjahr 20.
  • Viele Jugendliche lebensmüde
    Suizid ist nach wie vor die häufigste Todesursache bei Schwedens 15- bis 24-Jährigen. Wie Statistik des Zentralamtes für Gesundheits- und Sozialwesen zeigt, ist die Suizidrate unter jungen Menschen demnach unverändert. Die Zahl der Suizidversuche unter Jugendlichen ist in den vergangenen zehn Jahren sogar angestiegen. Insgesamt ist die Anzahl der Suizide in den vergangenen 15 Jahren um 20 Prozent gesunken.
  • Untersuchung unzurechnungsfähiger Autofahrer erzwungen
    Zum 1. Februar wird das schwedische Führerscheingesetz verschärft. Danach sind Ärzte dazu verpflichtet, Autofahrer anzuzeigen, die sich altersbedingt oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr hinters Steuer setzen sollten, sich aber dennoch einer ärztlichen Untersuchung widersetzen. Dabei reicht es künftig, wenn sich der Verdacht des Mediziners auf die Patientenakte gründet.