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Auswanderung mit behinderten Angehörigen

— Ein "HowTo" und Erfahrungsbericht

 

Über diesen Hilfetext

Nachdem mich viele Private Nachrichten und E-Mails erreicht haben, in denen es um Fragen bezgl. Einer Auswanderung mit Behinderten Kindern oder Angehörigen ging, mir aber immer mehr die Zeit fehlte, diese ausführlich und für alle Beteiligten befriedigend zu beantworten, habe ich mich entschieden, nach Rücksprache mit Dietmar, eine Seite mit Tipps, Erfahrungen und Hilfen zur Verfügung zu stellen. Ich bin, bei bestehenden Fragen, auch weiterhin per Privat Nachricht erreichbar, was allerdings eine Anmeldung im Forum erforderlich macht.

Der entsprechende Thread: /forum/auswanderung-mit-besonderen-kindern,9296.html

Ich bitte zu beachten, dass dieser Text nicht kopiert und in andere Foren oder private/kommerzielle Websites eingesetzt werden darf. Ich stelle das alleinige Nutzungsrecht www.Schwedentor.de zur Verfügung. Alle Urheberrechte obliegen mir als Autorin. Ich empfände es als sehr unhöflich, diese zusammengetragenen Informationen auf anderen Internetseiten wiederzufinden, mit denen ich keinerlei Verbindung habe.

Erste Schritte

Eine Auswanderung muss geplant sein, gerade in unserer Situation. Schweden hat eine hervorragende Behindertenpolitik, aber man muss sich darüber im klaren sein, dass man vieles selbst erarbeiten muss. Man hat viele Laufereien, sollte zumindest fliessend englisch sprechen, und man sollte sich im klaren sein, dass der Traum vom Einsamen Haus irgendwo im Nirgendwo für Eltern oder Angehörige mit Besonderen Menschen nahezu unmöglich zu realisieren ist.

Wir begannen im September 2006 mit den ersten Recherchen, haben stundenlang im Internet gesucht und unzählige Websites besucht. Nach einiger Zeit konnten wir uns ein ungefähres Bild über die Situation für unseren Sohn in Schweden machen. Wir waren positiv überrascht, obwohl wir schon sehr viel hatten. Waren auf der RehaCare in Düsseldorf gehört und haben uns mit den anwesenden Schwedischen Firmen unterhalten. Hätte damals auch nur ein winziger Punkt in der Versorgungoder Betreuung gegen Schweden gestanden, wären wir in Deutschland geblieben. Wir wollten Yannic´s Lebensqualität nicht verschlechtern, nur um uns einen Traum zu erfüllen.

Was sind nun die ersten Schritte, wenn man in Schweden angekommen ist und seine Personnummer hat?

Försäkringskassa

Der erste Weg sollte auf jeden Fall zur schwedischen Krankenkasse (F-kassa) führen. Dies ist wichtig, um ins schwedische Behindertensystem eingegliedert zu werden und die benötigten Hilfen zu bekommen. Beim Erstkontakt auf jeden Fall angeben, dass man ein behindertes Kind bzw. Angehörigen hat, damit der Sachbearbeiter alles in die Wege leiten kann. Man bekommt entweder telefonisch oder schriftlich einen Termin mitgeteilt für ein persönliches Gespräch. Sollte die Schwedische Sprache noch nicht so gut sein, um ein Gespräch frei zuführen, kann man um einen Dolmetscher bitten, dieser wird dann beim Termin anwesend sein.

Bitte bei diesem Termin alle vorhandenen Arztbriefe, Untersuchungsheft etc. mitbringen.

Auch, falls bereits vorhanden, den Schwerbehinderten Ausweis, damit der Sachbearbeiter sehen kann, wie die Behinderung in Deutschland eingestuft wurde. Besteht bereits in Deutschland eine zu 100% anerkannte Behinderung, wird sich in Schweden nicht viel ändern.

In diesem Gespräch wird man über alles informiert, was die Schwedische Behindertenpolitik hat, finanzielle Hilfen, Ausstattung mit Hilfsmitteln, Windelversorgung und die Möglichkeit Hilfe durch Persönliche Assistenten zubekommen. (Auf die Persönliche Assistenz gehe ich noch gesondert ein.)

Am Ende des Gesprächs hat man einen genauen „Fahrplan“ für die nächsten Schritte, weiss was man beantragen kann und wie die Unterstützung durch den Schwedischen Staat für das besondere Kind aussieht.

In der Regel hat man nach diesem Gespräch einen Antrag auf Pflegegeld, Bilstöd und Assistansersättning gestellt und damit mehr geschafft, als in einigen Monaten Behördengängen in Deutschland.

Vårdcentral

Nach dem Gespräch mit der F-Kassa sollte man einen Termin im zuständigen Vårdcentral machen, damit ein schwedischer Arzt das Kind anschauen kann und somit die Behinderung für das schwedische System auch nochmals bestätigt. Hier kann man auch direkt die Versorgung mit Interkontinenzartikeln besprechen. Die Sachen werden von der Apotheke bestellt und direkt nachhause geliefert. Außerdem liegt, meist innerhalb weniger Tage, ein Brief mit Coupons im Briefkasten für die Nachbestellung der Windeln und anderen wichtigen Dinge im Briefkasten, die man dann nur in den nächsten Postkasten wirft, wenn der Vorrat zuende geht. Die Lieferung erfolgt meist innerhalb einer Woche.

Auch zu diesem Termin bitte alle Arztbriefe aus Deutschland mitbringen, damit die Ärzte bereits die gestellten Diagnosen haben. Der Doktor wird einen weiteren Arztbrief ausstellen, den man dann an alle wichtigen Stellen schicken sollte. Meist wird es aber direkt vom Arzt direkt angeboten. Die Vernetzung zwischen Vårdcentral, F-Kassa, Schulbehörde/Kommune und dem zuständigen Habiliteringscenter ist sehr gut, meist kennt man sich gegenseitig seit Jahren. Im Vårdcentral stellt man auch den Antrag auf Versorgung mit Hilfsmitteln, die in Schweden einzigartig ist.

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